Rendite bei Immobilien richtig berechnen

Bruttorendite, Nettorendite, Eigenkapitalrendite – verstehe die wichtigsten Kennzahlen für dein Investment.

⚠️ Achtung:

"8% Rendite" klingt gut – aber welche Rendite ist gemeint? Viele Anfänger verwechseln Brutto- und Nettorendite und überschätzen ihre tatsächliche Rendite massiv.

Die 3 Arten von Immobilien-Rendite

1. Bruttorendite (Mietrendite)

Formel:

Jahreskaltmiete / Kaufpreis × 100 = Bruttorendite in %

Beispiel:

  • Kaufpreis: 300.000 €
  • Monatliche Kaltmiete: 1.500 €
  • Jahresmiete: 18.000 €
  • Bruttorendite: 18.000 / 300.000 × 100 = 6%

✅ Vorteil: Schnelle Orientierung, einfach zu berechnen

❌ Nachteil: Ignoriert alle Kosten – unrealistisch!

2. Nettorendite (Objektrendite)

Formel:

(Jahreskaltmiete - laufende Kosten) / Kaufpreis × 100

Laufende Kosten abziehen:

  • Hausgeld / Verwaltungskosten: ~2.400 € / Jahr
  • Instandhaltungsrücklage: ~1.500 € / Jahr
  • Leerstand (Risikopuffer 1 Monat): 1.500 €
  • Summe Kosten: 5.400 € / Jahr

Berechnung:

(18.000 € - 5.400 €) / 300.000 € × 100 = 4,2% Nettorendite

✅ Vorteil: Realistischer als Bruttorendite

Wichtig: Berücksichtigt keine Finanzierung

3. Eigenkapitalrendite

Formel:

Jahresüberschuss / Eigenkapital × 100

Beispielrechnung mit Finanzierung:

  • Eigenkapital: 60.000 € (20%)
  • Fremdkapital: 240.000 € (80%)
  • Zins: 3,5%, Tilgung: 2% → 13.200 € / Jahr
Cashflow-Rechnung:
Mieteinnahmen: 18.000 €
- Kosten (Hausgeld, Instandh.): -3.900 €
- Zinsen + Tilgung: -13.200 €
= Jahresüberschuss: +900 €
Eigenkapitalrendite:
900 € / 60.000 € × 100 = 1,5%

💡 Wichtig: Die Eigenkapitalrendite ist für Investoren entscheidend, weil sie den Hebel durch Fremdkapital zeigt. Mit steigender Tilgung verbessert sich die Rendite.

Welche Rendite ist realistisch?

Orientierungswerte nach Lagequalität:

Lagetyp Bruttorendite Nettorendite
Top-Lage (München, Hamburg) 4-5% 2,5-3,5%
Gute Lage (B-Städte) 5-6% 3,5-4,5%
Mittlere Lage (C-Städte) 6-7% 4-5%
Risikolage (strukturschwach) 8%+ 5%+

Faustregel: Je höher die Rendite, desto höher das Risiko (Leerstand, Wertverlust, Mietausfall).

Rendite vs. Wertsteigerung

Vergiss nicht die Wertsteigerung! Eine Top-Lage mit 4% Bruttorendite kann durch Wertsteigerung rentabler sein als eine C-Lage mit 8% Rendite.

Strategie: Wertsteigerung

  • Top-Lage kaufen
  • Niedrige Anfangsrendite akzeptieren (4-5%)
  • Auf Wertsteigerung setzen (3-5% / Jahr)
  • Langfristig halten

Strategie: Cashflow

  • B-/C-Lage mit höherer Rendite
  • 6-8% Bruttorendite anstreben
  • Positiver Cashflow wichtig
  • Höheres Risiko akzeptieren

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Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Welche Rendite ist bei Immobilien realistisch?

Top-Lagen (München, Hamburg): 3-5% Bruttorendite, 2-3,5% Nettorendite. B-Städte: 5-6% brutto, 3,5-4,5% netto. C-Städte: 6-7% brutto, 4-5% netto. Strukturschwache Regionen: 8%+ brutto, aber hohes Risiko!

Was ist der Unterschied zwischen Brutto- und Nettorendite?

Bruttorendite = Jahresmiete / Kaufpreis (ignoriert alle Kosten). Nettorendite = (Jahresmiete - Kosten) / Kaufpreis. Die Nettorendite ist realistischer, weil sie Hausgeld, Instandhaltung, Leerstand berücksichtigt. Unterschied oft 2-3 Prozentpunkte!

Warum ist die Eigenkapitalrendite oft niedriger als die Bruttorendite?

Weil Zinsen und Tilgung den Cashflow reduzieren. Bei 80% Fremdfinanzierung zahlt man oft 5-6% Zinsen + Tilgung, was den Jahresüberschuss stark mindert. Erst mit höherer Tilgung (später) steigt die EK-Rendite.

Sollte ich auf Rendite oder Wertsteigerung setzen?

Kommt auf deine Strategie an. Cashflow-Strategie: Höhere Rendite (6-8%), positiver Cashflow wichtig, höheres Risiko. Wertsteigerungs-Strategie: Top-Lage, niedrigere Anfangsrendite (4-5%), aber Wertsteigerung 3-5%/Jahr.

Welche Kosten muss ich bei der Renditeberechnung berücksichtigen?

Laufende Kosten: Hausgeld/Verwaltung (200-400€/Monat), Instandhaltungsrücklage (1-2€/m²), Leerstand (1-2 Monate/Jahr), Versicherungen. Einmalig beim Kauf: Kaufnebenkosten (10-15%: Notar, Makler, Grunderwerbsteuer).

Weiterführende Ressourcen